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Total Therapy


In „Total Therapy“ widmen sich Interrobang der zunehmenden Therapeutisierung des Alltags. Im Zuge von gesteigerter Selbstoptimierung, omnipräsenter Coaching- und Beratungskonjunktur, sowie der Ausweitung vermeintlich behandlungsbedürftiger Defizite und Störungen werden immer weitere Lebensbereiche therapeutisiert. Diese Entwicklungen befördern eine neoliberale Vereinzelung, da Probleme fast immer individuell betrachtet und in Eigenverantwortung therapiert werden sollen. Gesellschaftliche Dimensionen werden dabei oft ausgeblendet.

„Total Therapy“ ist eine Sozialtherapie, in der das Publikum als Mikrogesellschaft in den Fokus rückt. Es durchläuft einen verführerischen Therapieparcours und evaluiert sich dabei fortlaufend selbst. In verschiedenen Bewertungsspielen entstehen persönliche Psychoprofile, die im Laufe des Abends immer aussagekräftiger werden. Die Teilnehmenden können dabei die psychologischen Tiefen ihrer realen Persönlichkeiten erforschen und persönlichkeitsverändernde Maßnahmen riskieren und ausprobieren. Der Verlauf dieser Experimente ist nicht vorhersehbar und abhängig vom Verhalten der anderen Teilnehmenden.

„Total Therapy“ ist eine performative Gratwanderung zwischen Therapie und Theater, in der die Wechselwirkungen zwischen Privatem und Politischem erfahrbar werden. Interrobang erkunden, wie der Imperativ zur therapeutischen Selbstoptimierung mit veränderten spätkapitalistischen Produktions- und Lebensweisen zusammenhängt. Dabei erscheint das Therapeutische selbst als eine politische Machtstruktur.


Galerie



Presse


„Bei Total Therapy durchlebt man alles Mögliche: Traurigkeit, Wut, Angst (…). Ausnahmsweise werden die von Theaterwissenschaftlern gern zitierten Feedbackschleifen entsetzliche Realität. Nennen wir es trotzdem mal Theater. Es ist eines, das lange nachwirkt.“ (Eva Biringer, Nachtkritik vom 16.11.2018)

„Therapeuten, das sind die anderen an diesem Abend. […] Total Therapy sorgt für eine feine Doppelbödigkeit, weil man sich als Mitspieler nicht nur mit der eigenen Person und Wirkung auseinandersetzt. Ebenso muss man sich fragen, ob man einem anderen unvoreingenommen gegenübertritt, wenn man dessen vermeintliches Psychoprofil eingesehen hat. Womit der Abend von der individuellen zur politischen Ebene springt: Die Profile erinnern an das in China eingeführte System der Sozialpunkte, die für Verhalten vergeben werden, Lebenschancen beeinflussen und als politisches Kontrollelement eingesetzt werden. […] Die Berliner Performance-Gruppe Interrobang schließt Gegenwartsanalysen mit partizipativen Theaterformen kurz. Das gelingt auch in der humorvollen Produktion Total Therapy.“ (Dimo Rieß, Leipziger Volkszeitung vom 12.04.2019)



Credits


Konzept Interrobang Von und mit Bettina Grahs, Lisa Großmann, Kaja Jakstat, Elisabeth Lindig, Till Müller-Klug, Lajos Talamonti, Nina Tecklenburg Bühne / Kostüm Silke Bauer Musik Friedrich Greiling Lichtdesign / Technische Leitung Dirk Lutz Produktion ehrliche arbeit – freies Kulturbüro Öffentlichkeitsarbeit Tina Ebert Hospitanz Miriam Bach Fotografie Renata Chueire, Paula Reissig Fotocollage Silke Bauer

Eine Produktion von Interrobang in Koproduktion mit Schauspiel Leipzig, WUK Performing Arts Wien und SOPHIENSÆLE. Gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Konzeptionsförderung des Fonds Darstellende Künste e.V. – aus Mitteln des Bundes.


Termine


Sophiensaele Berlin
13. November 2018, jeweils 17:00 und 21:00
weitere Shows: 14. November 2018, jeweils 17:00 und 21:00
Festival „Save Your Soul“

Residenz Schauspiel Leipzig
11.-18. April 2019

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